Medikamentöse Therapie

Die Osteoporose wurde früher als „schicksalhaft“ angesehen. Knochenbrüche im Alter waren hinzunehmen und es war „normal“, dass alte Menschen krumm, bucklig und auch kleiner wurden. Heute jedoch versteht man den Knochen besser und es gibt wirksame Medikamente, die diesen „Zerfallsprozess“ aufhalten, d.h. den Knochenaufbau fördern (osteoanabole Substanzen) oder den Knochenabbau hemmen (antiresorptive Substanzen). Mit Hilfe dieser Medikamente kann der pathologische Knochenmasseverlust gestoppt, neue Knochenmasse aufgebaut und das Risiko für neue Frakturen reduziert werden. So können die osteoporotischen Beschwerden gelindert und die Beweglichkeit zurückgegeben werden. Für eine Osteoporosebehandlung ist es nie zu spät.

Basistherapie mit Calcium, Vitamin D3 und viel Bewegung

 

Die ausreichende Zufuhr der Knochenbaustoffe Calcium und Vitamin D3 ist Grundlage jeder Osteoporosebehandlung. Ist die Versorgung über die Ernährung nicht sichergestellt, was häufig zutrifft, so kann der Arzt ein entsprechendes Mineralstoff/Vitamin- Medikament in Form von Tabletten, Brausetabletten oder Pulver verordnen. Die Empfehlungen für eine optimale Calciumversorgung werden weltweit sehr unterschiedlich diskutiert. Grundsätzlich könnten ¼ Liter Milch und 2 Scheiben Emmentaler Käse (50 bis 60 g) bereits den täglichen Bedarf von etwa 1000 mg Calcium abdecken. Dies setzt gleichzeitig voraus, dass

 

a) keine Calciumräuber die Resorption beeinträchtigen,

b) eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D3 vorhanden ist,

c) der Patient sich jeden Tag calciumreich ernährt.

 

Die DVO Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Osteoporose empfiehlt eine zusätzliche Supplementation mit Nahrungsergänzungsmitteln (Calcium und/oder Vitamin D3), wenn die genannten Maßnahmen zur Calcium- und Vitamin D3-Versorgung nicht ausreichen bzw. ein hohes Risiko für eine negative Calciumbilanz bestehen.

 

Außerdem sollte sich der Patient viel und regelmäßig bewegen, um seine Mobilität beizubehalten.

Wirksame Osteoporose Medikamente

  

Folgende Substanzen stehen zurzeit für die medikamentöse Therapie der Osteoporose zur Verfügung:

 

1.) Bisphosphonate

a) Alendronat (Tablette: 1x täglich oder 1x wöchentlich)

b) Ibandronat (Tablette: 1x monatlich / Spritze: 1x im Quartal)

c) Risedronat (Tablette: 1x täglich oder 1x wöchentlich)

d) Zoledronat (Infusion: 1x jährlich)

 

2.) Östrogene (Tablette 1x täglich)

 

3.) SERMS (Raloxifen / Bazedoxifen: Tablette 1x täglich)

 

4.) Strontiumranelat (Pulver: 1x täglich)

 

5.) Denosumab (Spritze: 1x halbjährlich)

 

Anmerkung: In den klinischen Studien zur Behandlung der Osteoporose, mit den oben genannten Substanzen, wurden alle Studienteilnehmer zusätzlich mit 400-800 IE Vitamin D und 500-1500 mg Calcium behandelt.

 

Bisphosphonate sind hocheffektive Medikamente zur Behandlung aller Formen der Osteoporose und werden schon seit mehr als 25 Jahren zur Behandlung von Knochenerkrankungen eingesetzt. Sie Sie hemmen sehr stark den Knochenabbau ohne negativen Einfluss auf den Knochenaufbau, indem sie sich auf der Knochenoberfläche ablagern und die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) hemmen. Die Knochendichte nimmt schnell messbar zu, und auch die Knochenstruktur und -stabilität verbessern sich. So kommt es zu einer kontinuierlichen positiven Knochenbilanz über viele Jahre. Der unter den Bisphosphonaten gebildete Knochen ist qualitativ hochwertig und optimal belastbar. Die Gefahr von Knochenbrüchen nimmt bereits nach einjähriger Behandlung deutlich ab. Bisphosphonate, die auch schmerzlindernd wirken, werden zurzeit vor allem bei postmenopausalen Frauen empfohlen; sie sind aber auch bei Männern und Frauen mit einer Osteoporose bedingt durch Kortison- Präparate wirksam. 

 

Bisphosphonate haben den Vorzug, dass sie bei Frauen und Männern in jedem Alter verabreicht werden können. Auch kombinierte Therapien mit Östrogenersatz oder Raloxifen in der Menopause sind problemlos. Ein weiterer Pluspunkt der Bisphosphonate ist das seltene Auftreten von Nebenwirkungen. Die einzigen Situationen, in denen Bisphosphonate nicht eingesetzt werden dürfen, obwohl bisher keine Nebenwirkungen in diesem Zusammenhang bekannt sind, sind Schwangerschaft und Stillzeit. 

In den Leitlinien zur Osteoporose werden Bisphosphonate an erster Stelle genannt. Sie erfüllen die Kriterien der sogenannten Evidence based Medicine (Evidenz basierten Medizin), d.h. Kriterien, die höchsten Ansprüche an die Wirksamkeit auf der Basis klinischer Studien genügen.