Ursachen und Risikofaktoren

Etwa 90% aller Patienten leiden an einer primären Osteoporose, für die keine direkte Ursache auszumachen ist. Die primäre Osteoporose steht in engem Zusammenhang mit dem Alter und mit dem Hormon- und Kalziumstoffwechsel. Zierliche, feingliedrige Menschen scheinen häufiger zu erkranken, denn sie haben eine geringere Ausgangsknochenmasse. Es ist bei der Knochenmasse wie mit dem Bankkonto: Wenn man mehr auf der „hohen Kante“ hat kann man auch einmal etwas ausgeben ohne gleich „bankrott“ zu gehen. Bei den restlichen Patienten können verschiedene Krankheiten die Entstehung einer Osteoporose begünstigen (sekundäre Osteoporose).  

 

Früher galt die Osteoporose als eine schicksalhafte Alterskrankheit. Heute kennt man die Risikofaktoren, die zur Osteoporose führen, sehr genau. Erkennen und Abstellen von Risikofaktoren hilft, die Osteoporose zu vermeiden. 

Jedoch bedeuten Risikofaktoren nicht gleich eine Erkrankung an Osteoporose. Es gibt z.B. Personen mit mehreren Risikofaktoren, die trotzdem keine messbar verringerte Knochendichte zeigen. Andererseits gibt es Patienten ohne Risikofaktoren, die an einer Osteoporose leiden. 

Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung sollte daher das individuelle Osteoporoserisiko abgeklärt werden. 

Es sind inzwischen viele genetische und erworbene Risikofaktoren bekannt, die für die Entstehung einer Osteoporose verantwortlich sind. Einerseits gibt es Faktoren, die angeboren sind und daher nicht beeinflusst werden können, andererseits gibt es schwerwiegende Risiken, für die man selbst Verantwortung trägt und die vermieden werden könnten.

Jede Osteoporoseerkrankung hat ihre eigene individuelle Lebensgeschichte, und jeder trägt dafür selbst einen Teil der Verantwortung.

 

Wenn in der Verwandtschaft Personen mit häufigen Knochenbrüchen, einem Oberschenkelhalsbruch oder mit einer deutlichen Abnahme der Körpergröße bekannt sind, oder Personen mit einer diagnostizierten Osteoporose vorhanden sind, so ist man ein Risikopatient für Osteoporose.

Man weiß heute, dass die maximale Knochendichte und spätere Knochenverlustrate genetisch vorprogrammiert ist. Außerdem wurde nachgewiesen, dass Nordeuropäer das höchste Risiko, Afroamerikaner dagegen das niedrigste Risiko haben, an Osteoporose zu erkranken.

 

Zwischen dem 30. und dem 35. Lebensjahr befindet sich der Knochenumbau etwa im Gleichgewicht, danach beginnt der genetisch festgelegte Knochenschwund. Dieser ist bei der Frau etwas stärker als beim Mann. Mit der Menopause und dem damit verbundenen Abfall der Östrogenproduktion nimmt bei der Frau die Osteoporose mit Knochenbrüchen deutlich zu. Beim Mann nimmt das Knochenbruchrisiko hingegen besonders nach dem 75. Lebensjahr deutlich zu und beträgt dann mehr als 30%. 

 

Für Frauen gilt zusätzlich:

- Wenn die Monatsblutung spät eingesetzt hat und früh (vor dem 43. Lebensjahr) im Rahmen der Wechseljahre ausgeblieben ist

- Wenn der Monatszyklus immer unregelmäßig war oder die Menstruation über einen längeren Zeitraum ausgesetzt hat

- Wenn beide Eierstöcke operativ entfernt wurden und so eine körpereigene Hormonproduktion nicht mehr erfolgt

 

Für Männer gilt zusätzlich:

       - Wenn sie Zeichen der Keimdrüsenunterfunktion bemerken (höhere Stimme, fehlende männliche Körperbehaarung, Impotenz usw.)

Ein Bruch nach dem anderen


Wenn ein vorausgegangener Knochenbruch bekannt ist, so verdoppelt sich das Risiko einen weiteren Knochenbruch zu erleiden. 

Ein einziger spontan aufgetretener Wirbelkörperbruch erhöht das Risiko weiterer Wirbelkörperbrüche um das 5fache, zwei oder mehr Brüche lassen das Risiko sogar auf das 12fache steigen.

 

Vorbelastung durch Krankheiten (sekundäre Osteoporosen)


Spezielle Krankheiten können eine sekundäre Osteoporose hervorrufen. Auch eine Organtransplantation, z.B. von Leber, Niere, Lunge oder Herz, ist ein Risikofaktor. Die dann lebenslang einzunehmenden Immunsuppressiva (wie z.B. Glukokortikoide) stören den Knochenumbau und führen zum Knochenschwund.

Chronischer Bewegungsmangel


Einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Osteoporose und für ein erhöhtes Knochenbruchrisiko ist die fehlende körperliche Aktivität. Eine regelmäßige Belastung des Knochens durch Muskelarbeit fördert den Knochenaufbau. Dies beweist auch eine in den USA durchgeführte Immobilisationsstudie. Hier wurden junge gesunde Männer und Frauen im Durchschnittsalter von 30 Jahren für die Dauer von 12 Wochen „ins Bett gesteckt“. Ergebnis dieser Studie war, dass nach 12 Wochen bei diesen jungen, gesunden Menschen bereits ein Abfall der Knochendichte von 2,9% an der Lendenwirbelsäule und 3,8% am Trochanter (Oberschenkelhalsknochen) festgestellt wurde.

 

Bewegung ist optimal für die Gesundheit und den Knochen, denn

- Bewegung verlangsamt den Alterungsprozess

- Bewegung normalisiert den Stoffwechsel und erhöht die Sauerstoffzufuhr

- Bewegung kräftigt die gesamte Muskulatur und fördert somit auch den Knochenaufbau

- Bewegung stärkt die Knochen und hemmt den Knochenabbau

Rauchen, Alkoholabusus, Fehlernährung

 

Rauchen verdoppelt das Osteoporoserisiko. Der genaue Mechanismus ist noch nicht bekannt, aber Nikotin hemmt beispielsweise die Östrogenproduktion, fördert den Östrogenabbau in der Leber und bewirkt ein früheres Eintreten der Menopause.

 

Zuviel Alkohol (Alkoholabusus) erhöht das Osteoporoserisiko erheblich. Gründe dafür sind, dass Alkoholiker häufig mangelernährt sind und an einem Leberschaden leiden. Der zu hohe Alkoholkonsum wird deshalb auch als wichtige Ursache für die Osteoporose bei Männern vermutet.

Ungenügende Calciumzufuhr


Calcium gehört zu dem am besten untersuchten Mineralstoffen des menschlichen Körpers. Allein zwischen 1994 und 2004 wurden 62.852 wissenschaftliche Artikel über Calcium veröffentlicht.

 

Die Versorgung des menschlichen Körpers mit Calcium ist eine lebensnotwendige Voraussetzung für die Funktion zahlreicher intra- und extrazellulärer Vorgänge. Etwa bis zum 30. Lebensjahr versucht der Organismus möglichst viel Calcium in den Knochen einzulagern (1000-1500g), damit auch in Zeiten ungenügender Calciumzufuhr die Aufrechterhaltung der calciumabhängigen Systeme gewährleistet wird. Die zwischen dem 33 – 40. Lebensjahr erreichte Spitzenknochenmasse ist ein wichtiges Hilfsmittel in der Osteodesitometrie zur Bestimmung der individuellen Knochendichte. Dabei werden Abweichungen von mehr als 25% unter der Spitzenknochenmasse als Osteoporose eingestuft.

 

Maximal 1/3 der im Verdauungstrakt angebotenen Calciummenge gelangt ins Blut und der verbleibende Teil des Nahrungskalziums wird mit dem Stuhl (Faeces) wieder ausgeschieden. Der Resorptionsvorgang selbst kann zusätzlich durch verschiedene Faktoren positiv oder negativ beeinflusst werden. Zum Beispiel Nahrungsmittel, die sehr stark mit Phosphaten angereichert sind, können die Aufnahme von Calcium extrem behindern. Die im Darm verfügbaren freien Calciumionen können je nach Bedarf sowohl parazellulär (Diffusion) als auch transzellulär (aktiver Transport) aufgenommen werden. Der passive Transport ist nicht regulierbar und direkt abhängig vom Calciumangebot im Darm. Zur Steigerung der Calciumaufnahme können Calciumkanäle geöffnet werden, die eine transzelluläre Calciumaufnahme ermöglichen. Dieser aktive Prozess kann über das Vitamin D - Hormon gesteuert werden.

 

Der Körper benötigt während des ganzen Lebens ausreichend Calcium, Vitamin D3 und andere Mineralien und Vitamine. Bei einer ungenügenden Calciumzufuhr durch die Nahrung holt sich der Organismus das lebenswichtige Mineral mit Hilfe des Parathormons aus den Knochenspeichern, mit der Konsequenz einer negativen Knochenbilanz. Vor allem in der Jugend und während der Schwangerschaft ist es wichtig, den erhöhten Calciumbedarf über die Nahrung auszugleichen. Bei Frauen ist die maximale Knochenmasse bereits aus genetischen Gründen kleiner als bei Männern. Da Frauen in jungen Jahren zudem meist weniger essen als gleichaltrige Männer, nehmen sie in dieser Entwicklungsphase auch weniger „Knochenbaustoffe“, vor allem weniger Calcium, zu sich. Besonders kritisch ist die Situation bei jungen Frauen mit Essstörungen wie Magersucht. 

Diäten und ein zu hoher Konsum von Fett, Fleisch und sonstiger phosphathaltiger Nahrung, sowie von Salz und Koffein verursachen eine höhere Kalziumausscheidung und/oder eine geringe Kalziumaufnahme. Auch eine vegetarische Ernährung gehört zu den Risikofaktoren.

 

Hormonmangel

 

Frauen werden durch die Sexualhormone Östrogen und Gestagen vor der Osteoporose geschützt. Ein wichtiger Risikofaktor ist jedoch eine früh einsetzende Menopause, da die Östrogenproduktion mit dem Einsetzen der Wechseljahre herabgesetzt wird. Beim Mann verursacht ein Testosteronmangel Osteoporose. Bei jungen Männern mit unklarer Osteoporose sollte daher immer der Testosteronspiegel im Blut bestimmt werden. 

Medikamente

 

Bestimmte Medikamente, wie z.B. Kortison sind Knochenräuber. Jeder Patient, der länger als ein halbes Jahr mit Kortisonpräparaten behandelt wurde, hat ein erhebliches Osteoporoserisiko und braucht dringend einen Knochenschutz. Eine Kortisongabe über wenige Tage oder lokal als Creme, Spray oder Injektion verabreicht, stellt jedoch kein Risiko dar. 

Es gibt noch eine Liste weiterer Medikamente, die bei chronischer Anwendung den Knochen schwächen. Einige davon sind: Schilddrüsenhormone, Lithium, Medikamente gegen Epilepsie, Heparin und andere Blutverdünner, etc..