Osteoporose

Aufgrund langjähriger Erfahrung verstehen wir uns als Experten in der Knochengesundheit und richtungsweisen in der Osteoporosetherapie

Das oberste Ziel der Osteoporosetherapie ist die Vermeidung von Frakturen. Mit hochwirksamen Medikamenten, wie z.B. Bisphosphonaten, kann der Knochenmasseverlust gestoppt werden. Als Folge der normalisierten Knochenumbauvorgänge kann, zumindest an den noch vorhandenen Knochenstrukturen, wieder neue Knochenmasse aufgebaut werden. Der gewünschte Zuwachs an Knochenmasse lässt sich jedoch nur über eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D3 erreichen. Eine negative Calciumbilanz, z.B. durch eine calciumarme Ernährung (< 1000mg Calcium/Tag), würde den Abbau von Knochensubstanz stimulieren. Das Freisetzen von Calcium aus dem Knochen soll dafür sorgen, dass der Calciumspiegel im Blut nicht absinkt (Gefahr: Hypokalzämie). Durch diese Regelmechanismen wird der Calciumspiegel auch bei Patienten mit Osteoporose auf einem konstanten Niveau gehalten.

Eine erfolgreiche Osteoporosetherapie besteht deshalb aus den folgenden 3 Bereichen:

  1. medikamentöse Therapie
  2. ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D3
  3. Sturzprophylaxe und Bewegung

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Die Osteoporose ist eine durch eine verminderte Knochenfestigkeit charakterisierte Skeletterkrankung, die Personen für ein erhöhtes Frakturrisiko prädisponiert (Consensus Development Conference, JAMA, 2001).

Vertiefende Informationen zu Krankheitsbild, Ursachen und Risikofaktoren, Diagnostik, nicht-medikamentöser Therapie und medikamentöser Therapie finden Sie in diesem und in den folgenden Abschnitten.

Was ist Osteoporose genau?

Unter Osteoporose versteht man einen kontinuierlichen Schwund an Knochenmasse, sowie eine Abnahme der Knochenstruktur und -funktion, weil das normale Gleichgewicht von Knochenaufbau und -abbau nicht mehr besteht und der Abbau überwiegt. Diese Abnahme führt zu einer Minderung der Knochenfestigkeit mit der Gefahr von Knochenbrüchen, da der Knochen an Stabilität und Elastizität verliert. Übersetzt bedeutet Osteoporose soviel wie „poröser, morscher Knochen“. Ein gewisser Knochenabbau gehört zum Älterwerden. Von einem krankhaften Knochenschwund, einer Osteoporose, spricht man erst, wenn die Knochensubstanz um mehr als 30 – 40% vermindert ist und eine erhöhte Gefahr für Knochenbrüche besteht

Nach der 2001 durch die WHO aktualisierten Kurzdefinition ist Osteoporose „eine Skeletterkrankung, die durch eine verminderte Knochenfestigkeit charakterisiert ist und Personen für ein erhöhtes Frakturrisiko prädisponiert (empfänglich macht)“.Die Osteoporose wird nach den Werten der Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) festgelegt. Ein Osteoporose bei der Frau liegt vor, wenn die Knochenmineraldichte um 2,5 Standardabweichungen(SD) unter dem statistischen Mittelwert gesunder prämenopausaler (= vor den Wechseljahren) Frauen liegt. Die Osteoporose kann das gesamte Skelett oder nur einzelne Knochen betreffen. Entscheidend ist der niedrigste gemessene Wert. Spätestens im Alter führen sie frühzeitig zu Knochenbrüchen (Frakturen), die mit oftmals starken Schmerzen, frühzeitiger Invalidität, extrem niedriger Lebensqualität und häufig auch plötzlichem Tod nach Schenkelhalsbruch einhergehen.

Häufigkeit der Osteoporose

In der Bundesrepublik leiden ca. 5-7 Millionen Menschen an Osteoporose. Etwa 2,4 Millionen Menschen haben aufgrund dieser Erkrankung bereits Knochenbrüche erlitten. 18% aller Frauen und 6-8% aller Männer, die älter als 40 Jahre sind, leiden unter Osteoporose. Bei den Frauen über 50 Jahren sind bereits 30% an Osteoporose erkrankt. Nach dem 60. Lebensjahr ist sogar jede 3. Frau betroffen. 70% aller Frakturen bei Frauen nach dem 45. Lebensjahr sind auf eine Osteoporose zurückzuführen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland bei etwa 30% aller Frauen im Alter von 70 und darüber osteoporotische Wirbelkörperfrakturen vorliegen. Bei Männern liegt die Rate nach Schätzungen etwa bei 15%. Ca. 230.000 Knochenbrüche, die durch Osteoporose bedingt sind, werden jährlich in der Bundesrepublik behandelt. Auch wenn in der Mehrzahl ältere Menschen von Osteoporose betroffen sind, kann man unter bestimmten Voraussetzungen auch in jungen Jahren daran erkranken, z.B. durch eine langanhaltende und hochdosierte Kortisonbehandlung. Diese schon heute dramatische Situation dürfte sich in nächster Zeit noch verschärfen. Denn der Lebensstil mit wenig körperlicher Bewegung und viel Fast Food führt nahezu unweigerlich zu krankhaftem Knochenschwund.

Knochen leben!

Der Knochen ist ein lebendiges Organ mit hoher Durchblutung und Stoffwechselaktivität. Bei der Geburt sind nur wenige Knochenteile fertig angelegt und werden erst nach und nach aus Knorpel zum festen, in Lamellen angelegten Knochen umgebaut. Das Knochenwachstum ist erst mit ca. 18-20 Jahren mit der Verknöcherung der Wachstumsfugen abgeschlossen: Die endgültige Körpergröße ist dann erreicht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich ab diesem Zeitpunkt am Knochen nichts mehr tut. Er wird vielmehr ständig umgebaut und den wechselnden Bedürfnissen der Umwelt und der Muskelkraft angepasst. Hinzu kommt, dass alternde Knochensubstanz durch Mineralverlust und Kollagenalterung an Festigkeit und Elastizität verliert – der Knochen bricht leichter. Der Körper tauscht daher permanent die gesamte Knochensubstanz aus. Dieser Knochenumbau erfolgt lebenslang. Nur so kann der Körper optimal auf Wachstum, Abnutzung oder Verletzung reagieren. Der Knochen wird in unserem gesamten Leben drei – bis viermal vollständig erneuert. Ständig werden gleichzeitig an ein bis zehn Millionen Stellen unseres Skeletts kleine Knocheneinheiten abgestoßen und wieder durch neue Knochensubstanz ersetzt. Diese Fähigkeit des Materialaustausches dient jedoch nicht allein der Gesamterneuerung, sondern auch der Reparatur eines gebrochenen, verletzten Knochens. Dabei handelt es sich nicht nur um die Reparatur oder Heilung von Brüchen ganzer Knochen, sondern auch um Tausende mikroskopisch kleiner Brüche der Knochenbälkchen (Trabekel), die neben der Knochendichte das Knochenbruchrisiko bestimmen, denn die winzigen Knochenbrüche (Mikrofrakturen) führen zu einer Schwächung der Belastbarkeit. Heilen diese Tausende winzigen Knochenbrüche nicht komplett und vollkommen ohne „Narben“ aus, so kommt es ab einem kritischen Belastungspunkt zum Bruch des gesamten Knochens. Ist zudem auch noch die Knochenstruktur von Anfang an qualitativ sehr minderwertig angelegt, so kann der Knochen selbst bei normaler Dichte auch ohne größere Einwirkung von außen brechen.

Osteoporose: Wenn das Gleichgewicht gestört ist

Um die ständigen Reparaturen und Anpassungen zu bewältigen, bedient sich das Knochengewebe spezialisierter Zellsysteme:

Osteoklasten (knochenabbauende Zellen) bauen alten, schwachen Knochen in nur wenigen Tagen ab, während Osteoblasten (knochenanbauende Zellen) langsam über viele Wochen neuen Knochen wieder aufbauen und nach einer Verletzung reparieren. Man kann also sagen, dass die Wirkung von Osteoblasten und Osteoklasten antagonistisch ist. Die sogenannten Osteoblasten nehmen dabei Kalzium und andere Mineralien aus dem Blut auf und binden sie im Knochen. Dadurch wird er fester. Die sogenannten Osteoklasten verhindern überschießendes Knochenwachstum und bauen Knochensubstanz ab.

Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen den aufbauenden und den abbauenden Vorgängen. Eine Steuerung erfolgt über Hormone von Nebenschilddrüse und Schilddrüse, durch das Vitamin D und andere Faktoren. Die wichtigsten Hormone sind das Kalzitonin und das Parathormon der Epithelkörperchen (Nebenschilddrüsen), die Schilddrüsenhormone, das Insulin der Bauchspeicheldrüse, das Wachstumshormon der Hirnanhangsdrüse und das Kortison der Nebennieren. Als wichtigste Vitamine für Aufbau und Reifung der Knochensubstanz gelten neben dem Vitamin D, die Vitamine C und K. Eine ganz wichtige Rolle spielen die Geschlechtshormone von Mann und Frau, weil sie den Knochenstoffwechsel antreiben und die knochenbildenden Zellen unterstützen (Testosteron, Östrogen und Androgen).

Bei der Osteoporose ist das Gleichgewicht von Auf- und Abbau gestört und es überwiegt der Knochenabbau. Wissenschaftler haben errechnet, dass bei der Entstehung der Osteoporose etwa 30 Teile Knochen abgebaut, aber nur 29 Teile wieder ersetzt werden.

Etwa 90% aller Patienten leiden an einer primären Osteoporose, für die keine direkte Ursache auszumachen ist. Die primäre Osteoporose steht in engem Zusammenhang mit dem Alter und mit dem Hormon- und Kalziumstoffwechsel. Zierliche, feingliedrige Menschen scheinen häufiger zu erkranken, denn sie haben eine geringere Ausgangsknochenmasse. Es ist bei der Knochenmasse wie mit dem Bankkonto: Wenn man mehr auf der „hohen Kante“ hat kann man auch einmal etwas ausgeben ohne gleich „bankrott“ zu gehen. Bei den restlichen Patienten können verschiedene Krankheiten die Entstehung einer Osteoporose begünstigen (sekundäre Osteoporose).

Früher galt die Osteoporose als eine schicksalhafte Alterskrankheit. Heute kennt man die Risikofaktoren, die zur Osteoporose führen, sehr genau. Erkennen und Abstellen von Risikofaktoren hilft, die Osteoporose zu vermeiden.

Jedoch bedeuten Risikofaktoren nicht gleich eine Erkrankung an Osteoporose. Es gibt z.B. Personen mit mehreren Risikofaktoren, die trotzdem keine messbar verringerte Knochendichte zeigen. Andererseits gibt es Patienten ohne Risikofaktoren, die an einer Osteoporose leiden.
Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung sollte daher das individuelle Osteoporoserisiko abgeklärt werden.

Es sind inzwischen viele genetische und erworbene Risikofaktoren bekannt, die für die Entstehung einer Osteoporose verantwortlich sind. Einerseits gibt es Faktoren, die angeboren sind und daher nicht beeinflusst werden können, andererseits gibt es schwerwiegende Risiken, für die man selbst Verantwortung trägt und die vermieden werden könnten.

Jede Osteoporoseerkrankung hat ihre eigene individuelle Lebensgeschichte, und jeder trägt dafür selbst einen Teil der Verantwortung.

Wenn in der Verwandtschaft Personen mit häufigen Knochenbrüchen, einem Oberschenkelhalsbruch oder mit einer deutlichen Abnahme der Körpergröße bekannt sind, oder Personen mit einer diagnostizierten Osteoporose vorhanden sind, so ist man ein Risikopatient für Osteoporose.
Man weiß heute, dass die maximale Knochendichte und spätere Knochenverlustrate genetisch vorprogrammiert ist. Außerdem wurde nachgewiesen, dass Nordeuropäer das höchste Risiko, Afroamerikaner dagegen das niedrigste Risiko haben, an Osteoporose zu erkranken.

Zwischen dem 30. und dem 35. Lebensjahr befindet sich der Knochenumbau etwa im Gleichgewicht, danach beginnt der genetisch festgelegte Knochenschwund. Dieser ist bei der Frau etwas stärker als beim Mann. Mit der Menopause und dem damit verbundenen Abfall der Östrogenproduktion nimmt bei der Frau die Osteoporose mit Knochenbrüchen deutlich zu. Beim Mann nimmt das Knochenbruchrisiko hingegen besonders nach dem 75. Lebensjahr deutlich zu und beträgt dann mehr als 30%.

Für Frauen gilt zusätzlich:
– Wenn die Monatsblutung spät eingesetzt hat und früh (vor dem 43. Lebensjahr) im Rahmen der Wechseljahre ausgeblieben ist
– Wenn der Monatszyklus immer unregelmäßig war oder die Menstruation über einen längeren Zeitraum ausgesetzt hat
– Wenn beide Eierstöcke operativ entfernt wurden und so eine körpereigene Hormonproduktion nicht mehr erfolgt

Für Männer gilt zusätzlich:
– Wenn sie Zeichen der Keimdrüsenunterfunktion bemerken (höhere Stimme, fehlende männliche Körperbehaarung, Impotenz usw.)

Ein Bruch nach dem anderen

Wenn ein vorausgegangener Knochenbruch bekannt ist, so verdoppelt sich das Risiko einen weiteren Knochenbruch zu erleiden.
Ein einziger spontan aufgetretener Wirbelkörperbruch erhöht das Risiko weiterer Wirbelkörperbrüche um das 5fache, zwei oder mehr Brüche lassen das Risiko sogar auf das 12fache steigen.

Vorbelastung durch Krankheiten (sekundäre Osteoporosen)

Spezielle Krankheiten können eine sekundäre Osteoporose hervorrufen. Auch eine Organtransplantation, z.B. von Leber, Niere, Lunge oder Herz, ist ein Risikofaktor. Die dann lebenslang einzunehmenden Immunsuppressiva (wie z.B. Glukokortikoide) stören den Knochenumbau und führen zum Knochenschwund.

Chronischer Bewegungsmangel

Einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Osteoporose und für ein erhöhtes Knochenbruchrisiko ist die fehlende körperliche Aktivität. Eine regelmäßige Belastung des Knochens durch Muskelarbeit fördert den Knochenaufbau. Dies beweist auch eine in den USA durchgeführte Immobilisationsstudie. Hier wurden junge gesunde Männer und Frauen im Durchschnittsalter von 30 Jahren für die Dauer von 12 Wochen „ins Bett gesteckt“. Ergebnis dieser Studie war, dass nach 12 Wochen bei diesen jungen, gesunden Menschen bereits ein Abfall der Knochendichte von 2,9% an der Lendenwirbelsäule und 3,8% am Trochanter (Oberschenkelhalsknochen) festgestellt wurde.

Bewegung ist optimal für die Gesundheit und den Knochen, denn
– Bewegung verlangsamt den Alterungsprozess
– Bewegung normalisiert den Stoffwechsel und erhöht die Sauerstoffzufuhr
– Bewegung kräftigt die gesamte Muskulatur und fördert somit auch den Knochenaufbau
– Bewegung stärkt die Knochen und hemmt den Knochenabbau

Rauchen, Alkoholabusus, Fehlernährung

Rauchen verdoppelt das Osteoporoserisiko. Der genaue Mechanismus ist noch nicht bekannt, aber Nikotin hemmt beispielsweise die Östrogenproduktion, fördert den Östrogenabbau in der Leber und bewirkt ein früheres Eintreten der Menopause.

Zuviel Alkohol (Alkoholabusus) erhöht das Osteoporoserisiko erheblich. Gründe dafür sind, dass Alkoholiker häufig mangelernährt sind und an einem Leberschaden leiden. Der zu hohe Alkoholkonsum wird deshalb auch als wichtige Ursache für die Osteoporose bei Männern vermutet.

Ungenügende Calciumzufuhr

Calcium gehört zu dem am besten untersuchten Mineralstoffen des menschlichen Körpers. Allein zwischen 1994 und 2004 wurden 62.852 wissenschaftliche Artikel über Calcium veröffentlicht.

Die Versorgung des menschlichen Körpers mit Calcium ist eine lebensnotwendige Voraussetzung für die Funktion zahlreicher intra- und extrazellulärer Vorgänge. Etwa bis zum 30. Lebensjahr versucht der Organismus möglichst viel Calcium in den Knochen einzulagern (1000-1500g), damit auch in Zeiten ungenügender Calciumzufuhr die Aufrechterhaltung der calciumabhängigen Systeme gewährleistet wird. Die zwischen dem 33 – 40. Lebensjahr erreichte Spitzenknochenmasse ist ein wichtiges Hilfsmittel in der Osteodesitometrie zur Bestimmung der individuellen Knochendichte. Dabei werden Abweichungen von mehr als 25% unter der Spitzenknochenmasse als Osteoporose eingestuft.

Maximal 1/3 der im Verdauungstrakt angebotenen Calciummenge gelangt ins Blut und der verbleibende Teil des Nahrungskalziums wird mit dem Stuhl (Faeces) wieder ausgeschieden. Der Resorptionsvorgang selbst kann zusätzlich durch verschiedene Faktoren positiv oder negativ beeinflusst werden. Zum Beispiel Nahrungsmittel, die sehr stark mit Phosphaten angereichert sind, können die Aufnahme von Calcium extrem behindern. Die im Darm verfügbaren freien Calciumionen können je nach Bedarf sowohl parazellulär (Diffusion) als auch transzellulär (aktiver Transport) aufgenommen werden. Der passive Transport ist nicht regulierbar und direkt abhängig vom Calciumangebot im Darm. Zur Steigerung der Calciumaufnahme können Calciumkanäle geöffnet werden, die eine transzelluläre Calciumaufnahme ermöglichen. Dieser aktive Prozess kann über das Vitamin D – Hormon gesteuert werden.

Der Körper benötigt während des ganzen Lebens ausreichend Calcium, Vitamin D3 und andere Mineralien und Vitamine. Bei einer ungenügenden Calciumzufuhr durch die Nahrung holt sich der Organismus das lebenswichtige Mineral mit Hilfe des Parathormons aus den Knochenspeichern, mit der Konsequenz einer negativen Knochenbilanz. Vor allem in der Jugend und während der Schwangerschaft ist es wichtig, den erhöhten Calciumbedarf über die Nahrung auszugleichen. Bei Frauen ist die maximale Knochenmasse bereits aus genetischen Gründen kleiner als bei Männern. Da Frauen in jungen Jahren zudem meist weniger essen als gleichaltrige Männer, nehmen sie in dieser Entwicklungsphase auch weniger „Knochenbaustoffe“, vor allem weniger Calcium, zu sich. Besonders kritisch ist die Situation bei jungen Frauen mit Essstörungen wie Magersucht.
Diäten und ein zu hoher Konsum von Fett, Fleisch und sonstiger phosphathaltiger Nahrung, sowie von Salz und Koffein verursachen eine höhere Kalziumausscheidung und/oder eine geringe Kalziumaufnahme. Auch eine vegetarische Ernährung gehört zu den Risikofaktoren.

Hormonmangel

Frauen werden durch die Sexualhormone Östrogen und Gestagen vor der Osteoporose geschützt. Ein wichtiger Risikofaktor ist jedoch eine früh einsetzende Menopause, da die Östrogenproduktion mit dem Einsetzen der Wechseljahre herabgesetzt wird. Beim Mann verursacht ein Testosteronmangel Osteoporose. Bei jungen Männern mit unklarer Osteoporose sollte daher immer der Testosteronspiegel im Blut bestimmt werden.

Medikamente

Bestimmte Medikamente, wie z.B. Kortison sind Knochenräuber. Jeder Patient, der länger als ein halbes Jahr mit Kortisonpräparaten behandelt wurde, hat ein erhebliches Osteoporoserisiko und braucht dringend einen Knochenschutz. Eine Kortisongabe über wenige Tage oder lokal als Creme, Spray oder Injektion verabreicht, stellt jedoch kein Risiko dar.
Es gibt noch eine Liste weiterer Medikamente, die bei chronischer Anwendung den Knochen schwächen. Einige davon sind: Schilddrüsenhormone, Lithium, Medikamente gegen Epilepsie, Heparin und andere Blutverdünner, etc..

Neben der Erkennung und Reduktion bzw. Vermeidung von Risikofaktoren ist eine frühe Diagnosestellung entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Besteht Osteoporoseverdacht, dann sollte in erster Linie die DXA-Methode, auch DEXA (dual energy x-ray absorptiometry) zum Einsatz kommen.

Eine weitere Methode ist die dreidimensionalen Mikrocomputertomographie (3D-Mikro-CT). Sie ermöglicht erstmals die dreidimensionale bildliche Darstellung der Knochentrabekel und somit eine detailgenaue Untersuchung des osteoporotischen Knochens. Mit Hilfe der 3D-Darstellung ist es möglich, die Knochen bis ins kleinste Detail räumlich darzustellen und sogar den Verlust oder Gewinn an Knochensubstanz in messbaren Größen darzustellen.

Obwohl vielfach propagiert, muss eine weitere Methode, die Ultraschalluntersuchung, hinsichtlich ihrer klinischen Aussagekraft und Genauigkeit noch geklärt werden. Dies wird derzeit in groß angelegten Studien untersucht. Das Ultraschallverfahren ist für eine Abschätzung des Osteoporose-Risikos bislang jedoch nicht zur Verlaufskontrolle geeignet.

Eine erniedrigte Knochendichte bestätigt jedoch nicht automatisch die Diagnose einer Osteoporose. Erst bei genauerer Betrachtung des Patienten, seiner Anamnese und seiner Risikofaktoren kann man erkennen, ob sich diese Vermutung einer Osteoporose bestätigt. Wenn dann die klinischen Zeichen, wie Größenverlust und Schmerzen, hinzukommen und in das Gesamtbild passen, dann lässt sich die Diagnose Osteoporose stellen.

 

Wird alter Knochen abgebaut und neuer Knochen gebildet, so entstehen Abbauprodukte, die in das Blut und schließlich in den Urin abgegeben werden. Die Abbauprodukte, insbesondere die des Kollagens, werden auch Knochenmarker genannt. Es gibt heute Blut-und Urintests, um diese Produkte nachzuweisen und Aussagen über die Geschwindigkeit des Knochenumbaus zu treffen. Somit kann man auch erkennen, ob und wie die Therapie anspricht. Diese Tests erlauben aber nicht die Diagnosestellung einer Osteoporose und können auch die Knochendichtemessung nicht ersetzen, sie geben aber wichtige Hinweise auf den im Einzelfall vorliegenden Typ der Osteoporose.

Vitamin D – Blutspiegel

Eine Studie von Dr. Scharla et al. (Clin Lab 1996;42:475-477) zeigt die jahreszeitliche Abhängigkeit des Vitamin D – Blutspiegels (25-OH-Vitamin D) in Deutschland. Nach dem heutigen Kenntnisstand sollte der Vitamin D – Blutspiegel oberhalb von 30 – 50 ng/ml bzw. 75 – 100 nmol/l liegen. Ein Vergleich mit den Ergebnissen von Dr. Scharla macht deutlich, dass die untersuchte Altersgruppe (50-80 Jahre) nur in den beiden Monaten August und September eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D3 erreicht wird – und das auch nicht bei allen Probanden. Man muss deshalb davon ausgehen, dass besonders bei Patienten mit Osteoporose eine zusätzliche Supplementation mit Vitamin D – Präparaten notwendig ist. Eine Überprüfung des Vitamin D – Blutspiegels vor und während der Therapie ist deshalb zu empfehlen.

Die Osteoporose wurde früher als „schicksalhaft“ angesehen. Knochenbrüche im Alter waren hinzunehmen und es war „normal“, dass alte Menschen krumm, bucklig und auch kleiner wurden. Heute jedoch versteht man den Knochen besser und es gibt wirksame Medikamente, die diesen „Zerfallsprozess“ aufhalten, d.h. den Knochenaufbau fördern (osteoanabole Substanzen) oder den Knochenabbau hemmen (antiresorptive Substanzen). Mit Hilfe dieser Medikamente kann der pathologische Knochenmasseverlust gestoppt, neue Knochenmasse aufgebaut und das Risiko für neue Frakturen reduziert werden. So können die osteoporotischen Beschwerden gelindert und die Beweglichkeit zurückgegeben werden. Für eine Osteoporosebehandlung ist es nie zu spät.

Basistherapie mit Calcium, Vitamin D3 und viel Bewegung

Die ausreichende Zufuhr der Knochenbaustoffe Calcium und Vitamin D3 ist Grundlage jeder Osteoporosebehandlung. Ist die Versorgung über die Ernährung nicht sichergestellt, was häufig zutrifft, so kann der Arzt ein entsprechendes Mineralstoff/Vitamin- Medikament in Form von Tabletten, Brausetabletten oder Pulver verordnen. Die Empfehlungen für eine optimale Calciumversorgung werden weltweit sehr unterschiedlich diskutiert. Grundsätzlich könnten ¼ Liter Milch und 2 Scheiben Emmentaler Käse (50 bis 60 g) bereits den täglichen Bedarf von etwa 1000 mg Calcium abdecken. Dies setzt gleichzeitig voraus, dass

a) keine Calciumräuber die Resorption beeinträchtigen,
b) eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D3 vorhanden ist,
c) der Patient sich jeden Tag calciumreich ernährt.

Die DVO Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Osteoporose empfiehlt eine zusätzliche Supplementation mit Nahrungsergänzungsmitteln (Calcium und/oder Vitamin D3), wenn die genannten Maßnahmen zur Calcium- und Vitamin D3-Versorgung nicht ausreichen bzw. ein hohes Risiko für eine negative Calciumbilanz bestehen.

Außerdem sollte sich der Patient viel und regelmäßig bewegen, um seine Mobilität beizubehalten.

Wirksame Osteoporose Medikamente

Folgende Substanzen stehen zurzeit für die medikamentöse Therapie der Osteoporose zur Verfügung:

1.) Bisphosphonate
a) Alendronat (Tablette: 1x täglich oder 1x wöchentlich)
b) Ibandronat (Tablette: 1x monatlich / Spritze: 1x im Quartal)
c) Risedronat (Tablette: 1x täglich oder 1x wöchentlich)
d) Zoledronat (Infusion: 1x jährlich)

2.) Östrogene (Tablette 1x täglich)

3.) SERMS (Raloxifen / Bazedoxifen: Tablette 1x täglich)

4.) Strontiumranelat (Pulver: 1x täglich)

5.) Denosumab (Spritze: 1x halbjährlich)

Anmerkung: In den klinischen Studien zur Behandlung der Osteoporose, mit den oben genannten Substanzen, wurden alle Studienteilnehmer zusätzlich mit 400-800 IE Vitamin D und 500-1500 mg Calcium behandelt.

Bisphosphonate sind hocheffektive Medikamente zur Behandlung aller Formen der Osteoporose und werden schon seit mehr als 25 Jahren zur Behandlung von Knochenerkrankungen eingesetzt. Sie Sie hemmen sehr stark den Knochenabbau ohne negativen Einfluss auf den Knochenaufbau, indem sie sich auf der Knochenoberfläche ablagern und die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) hemmen. Die Knochendichte nimmt schnell messbar zu, und auch die Knochenstruktur und -stabilität verbessern sich. So kommt es zu einer kontinuierlichen positiven Knochenbilanz über viele Jahre. Der unter den Bisphosphonaten gebildete Knochen ist qualitativ hochwertig und optimal belastbar. Die Gefahr von Knochenbrüchen nimmt bereits nach einjähriger Behandlung deutlich ab. Bisphosphonate, die auch schmerzlindernd wirken, werden zurzeit vor allem bei postmenopausalen Frauen empfohlen; sie sind aber auch bei Männern und Frauen mit einer Osteoporose bedingt durch Kortison- Präparate wirksam.

Bisphosphonate haben den Vorzug, dass sie bei Frauen und Männern in jedem Alter verabreicht werden können. Auch kombinierte Therapien mit Östrogenersatz oder Raloxifen in der Menopause sind problemlos. Ein weiterer Pluspunkt der Bisphosphonate ist das seltene Auftreten von Nebenwirkungen. Die einzigen Situationen, in denen Bisphosphonate nicht eingesetzt werden dürfen, obwohl bisher keine Nebenwirkungen in diesem Zusammenhang bekannt sind, sind Schwangerschaft und Stillzeit.
In den Leitlinien zur Osteoporose werden Bisphosphonate an erster Stelle genannt. Sie erfüllen die Kriterien der sogenannten Evidence based Medicine (Evidenz basierten Medizin), d.h. Kriterien, die höchsten Ansprüche an die Wirksamkeit auf der Basis klinischer Studien genügen.